Kleist-Reduktionen (2): »Und Ratz! Und Ratz! Noch eins.«

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Gerhard Rühms zerbrochner Krug – in Scherben (in: gesammelte werke. Band 5: theaterstücke) besteht ausschließlich aus ein- oder zweiwortigen Kurzsätzen, Fragen oder Ausrufen ohne Prädikat, die schon im Original syntaktisch selbständig sind, jedoch nur selten eine komplette Replik ausmachen. Laut der »vorbemerkung« ist »aus dem gesiebten text […] eine neue, nicht unbedingt ›sinnvolle‹ handlung oder handlungsansätze zu interpretieren – so, als wäre die ursprüngliche handlung nicht bekannt«. Diese Forderung wird wohl nur schwer zu erfüllen sein, und zwar paradoxerweise, weil es in allen diesen Exklamationen, Befehlen, Echofragen, Flüchen usw. von sprachlichen Handlungen nur so wimmelt. Es fehlen jedoch, quasi in Umkehrung des ›sprachlosen Käthchens‹ – vgl. Kleist-Reduktionen (1) – alle referentiellen Anhaltspunkte, alle sachlichen Bezüge. Ohne diese aber keine dramatische Handlung, und wenn das Ganze noch so sehr nach einer Parodie von Kleists Echo-Stichomythien klingt.

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