Kleist-Reduktionen (3): »klumpatschalkäsch«

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Urs Allemanns dreistrophige alkäische Ode aus seinem Band im kinde schwirren die ahnen (Basel und Weil am Rhein, 2008 [Slg. Urs Engeler Editor, Bd. 66]) verarbeitet in einem metrisch streng organisierten Text aus Kettenworten das Käthchen zum ›Klumpatsch‹:

katastrovielzufrühlingserwachdichschlief
holundirskätchachpeitschallokleisterstatt
verordnungsschlafgebührticbrüstich
kniffnochalsritterdasfräulalleinob

Von der genauen Skandierung kann man sich auf der CD zum Buch auch einen Höreindruck verschaffen.
In Erfüllung des Versmaßes ist das Fräulein nicht Fräulein, sondern gleich »fräulallein«. Denkt man hier weniger an kneifende Ritter denn an einen flatterhaften Kaiser, fehlt nichts zum Keim der kompletten Käthchenhandlung. Aber ob es nun *›Ich schlief (w)hohl unters Käthchen‹ heißt oder doch nur vom Holunder und Käthchen in friedlichem Nebeneinander die Rede ist: Dieser Schlaf folgt keiner (Kleist-)Stadt-Verordnung, und die Gebü(h)rtigkeit bleibt ungeklärt. Allemanns komplex inszeniertes Zusammenspiel von Silbengrenzen, metrischem Schema und Vokalreihen ist reizvoller im Ganzen zu lesen denn zu ›interpretieren‹.

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