Kleist und Stalingrad

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
In seinem autobiographischen Roman Zeit meines Lebens (München: Schneekluth 1984) werden der Gymnasiast Piontek und seine Mitschüler zutiefst verunsichert wegen des Durchhaltebefehls Hitlers an die 6. Armee in Stalingrad. Ausbrechen oder, dem Befehl gehorchend, untergehen wie die Nibelungen in Etzels Saal? Piontek:
»In der folgenden Stunde baten wir unseren Lateinlehrer um ein klärendes Wort. Die besten Preußen, sagte er schnell, denn er hatte es eilig, hätten nie für einen Kadavergehorsam plädiert, sondern sich für eine Treue ausgesprochen, die Nachdenken in sich einschließe. Der preußische Dichter Heinrich von Kleist unterscheide zwischen einer märchenhaften Treue (im Käthchen von Heilbronn) und einer hohen treuen Gesinnung, die den Ungehorsam als Wortbruch zu verstehen suche, nur den blanken Verrat verabscheue (im Prinzen von Homburg).« (S. 370)
Aber Paulus hatte wohl den Homburg nie gelesen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.