Kleists Vogel

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
Kleist-Parodien sind selten und greifen meist den tiefgegliederten Satzbau seiner Prosa auf. Sebastianus Segelfalter (i. e. Richard Müller-Freienfels) hat in seinem vergnüglichen Büchlein ›Die Vögel der deutschen Dichter‹ (Berlin: Herbig, 1947) den Versuch gewagt, auch Kleist das Volkslied ›Kommt ein Vogel geflogen‹ gestalten zu lassen. (Die Parodien reichen von Walther von der Vogelweide bis in die NS-Zeit, am Ende wird das Liedchen auch ›wissenschaftlich‹ kommentiert.)
Nun, das Buch enthält bessere Parodien, und so richtig kleistisch ist die Sprache wohl auch nicht. Aber mit Traum und Schlaf hatte er’s denn doch.
Kleists Vogel-Senderin war am Ende die Vogel, mit Vornamen Henriette. Sebastianus Segelfalter kennt wohl kaum noch jemand. Aber der Pseudonym-Geber, eben der Segelfalter, wurde 2004 Insekt des Jahres. »Nachruhm! Was ist das für ein seltsames Ding …«

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