Knastbruder Kleist

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Am 21. November 1835 erschien in der Zeitung für die elegante Welt (Nr. 230, S. 917f.) ein Beitrag über Das Fort Joux in der Franche-Comté, der auch seines früheren Insassen Heinrich von Kleist gedenkt. Der Verfasser des kleinen Aufsatzes, Xavier Marmier, war ein Pionier der französischen Kleist-Rezeption, wurde 1808 – wie er selbst einmal erwähnte – zu Füßen der Festung in Pontarlier geboren (vgl. Alexandre Estignard: Xavier Marmier, sa vie et ses œuvres. Paris 1893, S. 204) und starb 1892 in Paris (s. a. Wendy S. Mercer: The Life and Travels of Xavier Marmier [1808-1892]. Bringing World Literature to France. Oxford 2007, S. 49f., mit weiteren Literaturhinweisen).

»Der unglückliche deutsche Dichter, die sanft schwärmende Seele«, schreibt Marmier, habe »ohne Unterlaß an den Fenstern des Gefängnisses« geseufzt. »Aber Kleist ist hier nicht gestorben, er hat seinen heimathlichen Boden wiedergesehen. Er vollendete in der Nähe seiner Freunde sein Gedicht vom Käthchen. Das Gefängniß hatte ihn verschont; die Liebe hat ihn getödtet. Eines Abends am Ufer des potsdamer Sees nahm er das Weib, das er liebte, in seine Arme, und Beide waren entschlossen, hier unten zusammen zu sterben, in der Hoffnung, dort oben wieder mit einander aufzuleben.«

Einen ungefähren – zweifellos geschönten – Eindruck, wie es im Innern des Forts de Joux zu der Zeit ausgesehen haben mag, als Kleist dort hinter dreifach vergitterten Fenstern interniert war (Brief an die Schwester Ulrike, 23. April 1807), vermittelt dieser Stich aus dem Jahr 1809: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8413550w

PS: Bruder Kleist ist der Titel eines bekannten Gedichts von Günter Kunert (in: Stilleben. Gedichte. München 1983, S. 64).

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