Kulturelles Langzeitgedächtnis

»Der 20. September 1776 wird in der Geschichte des deutschen Theaters und der deutschen Litteratur für alle Zeiten denkwürdig bleiben. An diesem Tage wurde auf der Schaubühne zu Hamburg unter der Leitung Friedrich Ludwig Schröders und nach dessen Bearbeitung zum ersten Male ein Drama zur Aufführung gebracht: Hamlet, Prinz von Dänemark. Der Eindruck, den diese Hamburger Hamlet-Aufführung auf das deutsche Publikum hervorbrachte, war ein so gewaltiger, der Erfolg ein so durchschlagender, daß von da ab der Sieg des britischen Dichtergenius über Unwahrheit und Unnatur im poetischen Geschmacke der Deutschen als entschieden gelten konnte.« (Richard Loening: Die Hamlet-Tragödie Shakespeares. Stuttgart: Cotta, 1893, S. 3)

Auf diese Inszenierung – in fünf Akten – folgte am 21. November (!) die Erstaufführung von Schröders ›Hamlet‹-Bearbeitung in sechs Akten. Manche Kulturfahrpläne, anders als die von Enzensberger einst zur Lektüre empfohlenen Kursbücher, rechnen Verspätungen gleich mit ein, mitunter auch solche, die gar nicht stattgehabt haben (weil: Alle reden vom Wetter…, ausgenommen diese und jener), und datieren die beiden Hamburger Premieren irrigerweise auf Kleists Geburtsjahr, was einen gewissen koinzidenzbehafteten Wallungswert generieren möchte, doch für alle Zeiten besser nicht denkwürdig bleiben sollte. Ars longa, memoria brevis. – »Good night, Penthesilea!«

»Thou com’st in such a questionable shape« sagen wir mit Blick auf einen an ›Richard III.‹ gemahnenden Monolog, bei dem die Frage nach der Urheberschaft ausnahmsweise nicht nur in der Shakespeare-Forschung unumstritten ist; hier das Video: http://www.youtube.com/watch?v=zLEMncv140s

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.