Lesarten

Aus dem Essay Über Freiheit der Kunst und ihre Grenzen von Regina Kusch und Andreas Beckmann im Deutschlandfunk:
Astrid Lindgren »hatte in ihren Kinderbüchern noch vollkommen ungeniert von ›Zigeunern‹ erzählt. Oder […] Otfried Preußler. Der ließ seine kleine Hexe nicht auf Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund treffen, sondern auf ›Negerlein‹.
So etwas kann man heute nicht mehr drucken, entschieden im vergangenen Jahr zumindest ihre deutschen Verleger und strichen diese Begriffe auf den neuesten Auflagen.
Für Hans-Richard Brittnacher [Professor für Literaturwissenschaft an der FU Berlin] grenzt das an Zensur.
›Ich würde sagen, dass man in solche Texte nicht eingreifen sollte. Wenn wir tatsächlich aus jedem Text, wo eine Zigeunerin auftaucht, sagen wir mal in Kleists Michael Kohlhaas, da taucht eine alte Zigeunerin auf, wenn ich da jetzt hinschreibe, dass das eine Roma-Frau ist, dann ist das erstens sachlich falsch und verhilft einem Text 200 Jahre später zu einer rassistischen Dimension, die er zu Zeiten, als er geschrieben wurde, gar nicht besaß.‹
Doch es gibt auch eine andere Lesart: Danach waren solche Texte schon immer unterschwellig rassistisch, nur fiel es damals niemandem auf. Nicht einmal dem Autor selbst und auch nicht all den Literaturwissenschaftlern, die sich seither mit ihm beschäftigten.« http://www.deutschlandfunk.de/fu-berlin-ueber-freiheit-der-kunst-und-ihre-grenzen.1148.de.html?dram:article_id=322059

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2 Kommentare zu Lesarten

  1. Bonaventura sagt:

    „Goethe war kein Neger noch scherte er sich viel um sie. Ganz anders dagegen Franz Kafka.“ – http://www.vigilie.de/2013/eckhard-hescheid-immanuel-kant-der-neger-negerl/

  2. Martin Maurach sagt:

    Wird nicht die Denkweise so mancher ‚politisch korrekten‘ Sprachreiniger bereits in Erich Frieds beliebtem Lesebuchgedicht „Die Maßnahmen“ genau beschrieben? Womöglich müssen wir eines Tages noch dankbar sein, dass heutzutage nur Wörter „geschlachtet“ werden…

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