Lokalnachrichten

Reinhard Pabst, Literatur(privat)detektiv und, wie wir nicht ohne Stolz anmerken dürfen, regelmäßiger Mitarbeiter bei Stimming’s Inn, überrascht in der Wissenschaftsbeilage der heutigen FAZ (Seite N4) mit einer üppigen Sammlung bisher unbeachteter Zeugnisse zum Schauplatz des »Doppelschusses am Wannsee«. Ins Auge springt ein von Pabst entdecktes Aquarell von Wilhelm Schirmer, das, 1824 entstanden, eine sommerliche Idylle zeigt – ein Blick aus dem Fenster des Gasthofs und wohl aus derselben Perspektive, von der aus Kleist am Morgen seines Todes über den Wannsee geblickt haben dürfte. Der Todesort, erfährt man, hatte bereits lange Zeit fasziniert, ehe 1848 am Grab ein unbehauener Granitwürfel mit Kleists Namen und den Lebensdaten gesetzt wurde. Einem Bericht von 1846 zufolge waren die beiden Gräber »verfallen und kaum kenntlich«, »Verehrer sollen aber an einem abgebrochenen Eichenstamm ein ›Querholz‹ befestigt und die Initialen ›H.v.K – H.V.‹ eingeschnitten haben.« In einem Handbuch für Reisende von Anfang der 1850er Jahre wird das Kleist-Grab erstmals als touristische Attraktion hervorgehoben. »Und im Frühjahr 1862«, schreibt Pabst, »war in der ›permanenten Ausstellung‹ des bekannten Berliner Kunsthändlers Louis Friedrich Sachse zum ersten Mal eine bildliche Darstellung des Kleist-Grabs öffentlich zu sehen, gemalt von Emil Hallatz (1837 bis 1888), der wie der Dichter in Frankfurt an der Oder geboren wurde. Von dem Gemälde fehlt bis heute jede Spur.«

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