Mäßig begeisternd

Max Lindner, einer der vier in Stimming’s Inn vom 19. Mai abgebildeten Schauspieler, die auf der Bühne Kleist verkörpert haben, war von 1931 bis 1935 am Stadttheater Cottbus engagiert, wo er am 21. November 1933 in der Uraufführung von Hans Heycks Tragödie Kleist die Titelrolle gab. Über das Stück – nach der Premiere noch dreimal gespielt – urteilte die Lausitzer Landes-Zeitung (23.11.1933): »Es wäre hart, ja, ungerecht, Hans Heycks fünfaktige Tragödie ›Kleist‹ dramatisierte Literaturgeschichte zu nennen, es wäre allerdings auch übertrieben, von diesem Drama behaupten zu wollen, daß es ein Kunstwerk im Kleistschen Sinne wäre und dem großen Heinrich von Kleist als Künstler gerecht geworden sei.«
Parallel zu Cottbus wurde das Drama zeitgleich auch im Wilhelm-Theater Magdeburg uraufgeführt (Emig/Pielenz [Hrsg.]: Heinrich von Kleist. Bibliographie. Teil 1 [Heilbronn: Kleist-Archiv Sembdner 2007], S. 488).
Das Stück blieb ungedruckt und ist lediglich als maschinenschriftliches Bühnenmanuskript überliefert (Hans Heyck: Kleist. Tragödie in fünf Aufzügen. Berlin-Halensee: Chronos Verlag 1933, 92 S.). Auf ihm beruht ein gleichnamiges Hörspiel von Heyck, das der Reichssender Frankfurt 1936 anläßlich des 125. Todestags von Kleist ausstrahlte (Emig/Pielenz, S. 494).
** Mit herzlichem Dank an Birgit Mache, Mitarbeiterin der Dramaturgie des Staatstheaters Cottbus und Leiterin des Archivs, für Auskünfte und Material.

Lindner_Cottbus

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Mäßig begeisternd

  1. Martin Maurach sagt:

    Hörspielmusik ist ja ein weites Feld, auch bei Heyck. Seinem Manuskript ist eine gewisse Flexibilität zwischen Klassik und (gemäßigter) Moderne abzulesen, wenn an den Schlüssen der Aufzüge wahlweise Beethovens „Eroica“ oder „Motive aus Richard Straussens ‚Tod und Verklärung’“ erklingen sollen. Mit – zumindest akustisch – preußischer Tradition untermalt wird dann Kleists Erinnerung an die Königin Luise und den Eindruck, den sein Gedicht auf sie gemacht habe: „(Vom Turm der Garnisonkirche tönt das Glockenspiel ‚Ueb immer Treu und Redlichkeit…’. Anmerkung: Auf Grammophonplatte zu haben.)“. So die weitblickende Regieanweisung, die auf dasselbe Motiv noch einmal zurückkommt, nachdem Marie sich geweigert hat, mit Kleist zusammen zu sterben: „Das Glockenspiel tönt weltvergessen vom Turm durch die Dunkelheit.“ (Ms. des Reichssenders Frankfurt, 1936)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.