Michael M. und Michael Kohlhaas

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
Paul Zech schloß seinen Exilroman Michael M. irrt durch Buenos Aires 1938 in Argentinien ab – erschienen ist das Buch erst fast ein halbes Jahrhundert später (1985) im Greifenverlag zu Rudolstadt (auf das »zu« legte man im Verlag Wert). Herausgeber und Nachwortautor war Helmut Nitzschke, der sich 1999 das Leben nahm, woran die Zerschlagung des Verlages durch die Treuhand (vid. Christoph Links: Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen. Berlin: Links 2009) nicht unerheblichen Anteil hatte. Seine Vorarbeiten zur geplanten Zech-Biographie sind im Thüringischen Landesarchiv zu finden.
Der Roman hat kaum Handlung, aber er spiegelt beeindruckend das hektische, verzweifelte, flackernde Leben eines Exilanten in einer fremden Welt. (Auch Zechs zweiter Exilroman Deutschland dein Tänzer ist der Tod erschien dann im Greifenverlag.)
Kleists Name taucht einige Male im Roman auf, für Zech war er höchst bedeutsam. Das von ihm mehrfach benutzte Pseudonym Michael hat ohne Zweifel Bezug zum »ewigen Querulanten Kohlhaas« (S. 363), dessen Name in einer Ehrenrettung Preußens (S. 362-368) genannt wird. »[…] und über einen der echtesten Preußen, über Heinrich von Kleist, habe ich ja erst neulich eine Hymne vom Stapel gelassen« – so eine der Romanfiguren, die zu großem Teil sich zu Zech zusammensetzen lassen. Der Ausdruck »Hymne« ist so wenig tarnend wie die leicht durchschaubare Herausgeberfiktion, es handelt sich zweifellos um Zechs Sonett An Heinrich von Kleist, in dem er fordert, den Lorbeer auf Kleists Grab durch blutrote Rosenblätter zu ersetzen. Minde-Pouet hat es in seine Sammlung der Gedichte auf Kleist aufgenommen, in Kleist-Bibliographien wird es nicht gesondert erwähnt. Zu finden ist es in der von Peter Goldammer herausgegebenen Dokumentation Schriftsteller über Kleist (Berlin und Weimar: Aufbau 1976, S. 131). Als Quelle gibt Goldammer etwas verlegen Minde-Pouet an.
Der Erzähler erwähnt auch, er habe Vorträge über »Kleistens Penthesilea gehalten« (S. 399) – weiß jemand darüber Näheres?

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2 Kommentare zu Michael M. und Michael Kohlhaas

  1. Burkhard Wolter sagt:

    In Helmut Sembdners Band „Kleist in der Dichtung“ (1977) wird als Quelle von Zechs Gedicht der „General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen“ 21.11.1911 angegeben. Ansonsten sei noch angemerkt, das Minde-Pouets Band „Gedichte über Kleist“ immer noch eine bibliographische Herausforderung darstellt, weil bis jetzt noch nicht alle Quellenangaben der dort gedruckten Gedichte bibliographiert werden konnten.

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