Minde-Pouet und die Vergeßlichkeit

* Vom Hilfskellner, aushilfsweise *

Daß auch ein penibler Buchhalter nicht frei ist von Altersbeschwerden, trat beim Neudruck der Kleist-Jahrbücher 1921-1938 zutage.

Erst jüngst hatte man nämlich in Heilbronn begonnen, Daten und Fakten zu den Kleist-Gesellschaften, der alten wie der neuen, auf der neuen Kleist-Internetseite zu versammeln, und als es darum ging, ein Gesamtinhaltsverzeichnis für besagten Neudruck der Kleist-Jahrbücher zu erstellen, griff man gern auf die Daten zurück, die man gerade erst vor einem Jahr bearbeitet und hochgeladen hatte.

Beim Abgleich mit den gedruckten Jahrbuch-Bänden stellte sich freilich heraus, daß ein Beitrag dort nicht aufgelistet war. Sollte man ihn abzutippen vergessen haben? Nein, auch in der Vorlage (›Reichswerk Buch und Volk im Nationalsozialistischen Volkskulturwerk, Kleist-Gesellschaft e. V. 1943‹) war er nicht verzeichnet; es handelt sich um »Kleist im Lichte der Individualpsychologie« von Sophie Lazarsfeld.

Nun würden nur böswillige Menschen behaupten, daß Georg Minde-Pouet eine jüdische Beiträgerin hätte unterschlagen wollen – immerhin hat er einen Lutz Weltmann (Beitrag im Jahrbuch 1924-25) verzeichnet, und der war immerhin auch Jude.

Freilich, mit Psychologie hatte der nichts zu tun und er war auch nicht nach seiner Flucht aus Nazideutschland zeitweise Vizepräsident der Individual Psychology Association in den USA.

Nein, wir sehen an dieser Episode wieder einmal nur, daß Georg Minde-Pouet, trotz buchhalterischen Fleißes, auch nur ein Mensch war und daß wir ob der Gebrechlichkeit der Welt nicht über ihn den Stab brechen sollten/dürfen/müssen (?)…

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