Mit frommem Gesichtsausdruck

Der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand rückte, kaum zwanzigjährig, November 1883 in das Dragonerregiment Nr. 4 ein. »Enns, die älteste Stadt Österreichs, lebte von der Garnison«, heißt es in Ludwig Winders Roman Der Thronfolger (1937) und, weiter, über den jungen Kavalleristen:
»Ihm imponierte die Ungezwungenheit der jungen adligen Offiziere. Sie sprachen fast immer von Pferden, vom Preisreiten, von Jagdritten der Offiziere und der Freiwilligen und von Hürden; dennoch hatten sie nie Langweile. Sie lasen begeistert die ›Pferdedressur‹ von Fillis, selten ein anderes Buch; aber sie hörten mit frommem Gesichtsausdruck zu, wenn ein gebildeter Einjährig-Freiwilliger vor ihnen von Goethe oder Kleist sprach.« – Mitte der 1880er Jahre! Dichtung oder Wahrheit? Zumindest dürften es sehr gebildete ›Einjährige‹ gewesen sein.
(Ludwig Winder: Der Thronfolger. Ein Franz-Ferdinand-Roman. 2. A., Berlin: Rütten & Loening, 1989, S. 120)

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Ein Kommentar zu Mit frommem Gesichtsausdruck

  1. Burkhard Wolter sagt:

    Mit Kleist in Österreich ist das nicht ganz so einfach, zumindest wurde in Wien
    schon 1877 die „Kleistgasse“ nach dem Dichter benannt, vielleicht wusste man dort
    schon etwas eher, was man an dem Dichter hat.

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