Mit Geld ins Verderben

Josef Nadler und wie er Kleists Leben sah: »Aus einer pommerschen Soldatenfamilie und einem Stamm, der bunte geistige Blüten trieb, war Heinrich von Kleist 1777 im märkischen Frankfurt geboren. Zu Berlin notdürftig gebildet, marschierte er Januar 1793 im Garderegiment zur Rheinarmee und wurde Februar 1797 Leutnant. Zwei Jahre später hatte er den heißbegehrten Abschied. […] Zu Ostern 1799 bezog er die Frankfurter Hochschule. Ohne Freunde und viel von Mädchen umgeben, übernahm er sich an Kant. […] Ein unbestimmter Ortstrieb quält ihn. Die Stadt, sein Stand, die Freunde, die Umwelt: er fühlt nur, daß er schlecht liegt und weiß nicht auf welche Seite sich kehren. Er hält es für das Vorfieber künstlerischen Schaffens. Also reisen. […] 1803 bricht er abermals auf, wieder in die Schweiz bis Genf, dann wieder nach Paris. […] Man schiebt ihn ab, und zu Mainz bricht er todkrank zusammen. Sicherlich die Kinderkrankheiten des Genies. Vielleicht leidet auch die Erde, wenn die Keime treiben und durch die Krume brechen. Und hier war harter junkerlicher Boden, seit Jahrhunderten für nüchterne Tätigkeit und kriegerische Kraft bestellt. Aber nun griff doch Ulrike mit fester Hand zu und steuerte Kleist in ihre Bahn. Im Winter 1804 wurde er Beamter in Königsberg. […] Die Königin Luise gewährte ihm zu Frühjahr 1806 ein kleines Jahrgeld. Das war sein Verderben. Er gab sein Amt auf, um als freier Dichter zu leben.« (JN: Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften. Bd. 3: Der deutsche Geist [1740-1813]. 2. Aufl. Regensburg 1924, S. 473f.)

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