Mit Vergnügung dabei

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Noch im Sommer 1943 mußte sich die Kleist-Gesellschaft anscheinend nicht über mangelndes Interesse von Neumitgliedern beklagen. Ein Hans Strasser-Neidegg aus Berlin nennt sich auf dem Briefkopf »Schriftsteller und Schriftleiter« und leitet am 26. Juli jenes Jahres die Niederschrift seiner von der Kleist-Gesellschaft verlangten »Ariererklärung« aus mit dem eher gestelzten als gestellten Nachsatz: »Das ist selbstverständlich, da ich als Schriftleiter des Deutschen Nachrichtenbüros in Berlin Mitglied des Reichsverbandes der deutschen Presse bin und als solcher bereits meinen Ariernachweis geführt habe.«
Etwas erfrischender klingt da zunächst der handgeschriebene Mitgliedsantrag des bulgarischen Gaststudenten Kiril Haralaupieff, gestellt während eines Aufenthalts in München am 27. Juli 1943:
»Ich möchte gern Ihrer Gesellschaft beitreten und mit Vergnügung dabei!«
Leider war das Vergnügen aber wohl ein kurzes, denn Bulgarien war nur noch bis 1944 Verbündeter der Achsenmächte. Schon die »Schriftführung« der Kleist-Gesellschaft – »Herr Professor heißt Sie als neues Mitglied willkommen« – schien am 29. Juli 1943 so eine Ahnung zu haben: »Da Sie Schwierigkeiten haben werden, den Jahresbeitrag von RM 10.– von Bulgarien aus zu überweisen, sind wir damit einverstanden, daß Sie den Betrag erst nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland senden.« Gezeichnet: E[va] R[othe].
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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