Mitten ins Herz

Gudrun Trausmuth macht sich in der katholischen Tagespost Gedanken über die Funktion von Predigten in poetischen Texten:
»Die Literatur, insbesondere die erzählende Literatur, […] löst […] das Genre Predigt von ihrem Ursprungskontext ab, benutzt aber die bewährte Form als kulturgeschichtlich fest verankerte Form eines herausgehobenen, privilegierten Sprechens, das Anspruch auf Aufmerksamkeit und Wirkung erhebt. So ist es in Heinrich von Kleists ›Erdbeben in Chili‹ die unterbrochene Predigt eines Dominikaners, welche an die buchstäblich erschütterte Logik der Ereignisse wieder anschließt und die zum Tode verurteilten Protagonisten Jeronimo und Josephe ihrem Schicksal zutreibt. Erzählte Predigt tritt als ein Sprechen mit Vollmacht auf – hinsichtlich der Wirkung zumindest, ist die Literatur also deckungsgleich mit dem Anspruch der außerliterarischen Predigt, wie er in der Reaktion der Apostel auf die Pfingstpredigt dokumentiert ist: ›Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?‹ (Apg 2, 37)«. http://www.die-tagespost.de/Das-Sprechen-mit-Vollmacht;art456,160942

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