Modell eines Originalmodells

Über die Ausstellung Der Wert des Originals im Marbacher ›Literaturmuseum der Moderne‹ (bis 12. April) heißt es in einem Bericht von Stefan Kister für die Stuttgarter Zeitung: »Zwischen Reliquie und Requisit changiert das Modell der Steinschlosspistole, mit der Heinrich Kleist den Doppelselbstmord von sich und seiner Bekannten Henriette Vogel inszenierte, in Posen, die ein französisches Gemälde zitieren. […] Die schönsten Originale aber sind die, die vom Erdenrest der Existenz befreit sind. Ihnen ist der letzte Raum gewidmet: Schillers verlorener Schädel gehört dazu, der Heilige Gral, den eine getrocknete Fledermaus aus der Kathedrale von Laon vertritt, das verschollene Manuskript eines autobiografischen[?] Romans von Heinrich Kleist oder die Aktentasche Walter Benjamins, die sein wichtigstes Manuskript enthalten haben soll und bis heute als verschollen gilt.« http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.literaturmuseum-in-marbach-schoepfungen-aus-erster-und-letzter-hand.a7a05493-f703-4cd6-a80a-96ff0fe9b06a.html
Eine Abbildung des Waffenmodells hier (Bild 4/8): http://tinyurl.com/lpfxx4p

Eine sichere Identifikation der von Kleist verwendeten Waffen, so Eberhard Siebert (Heinrich von Kleist. Eine Bildbiographie. Heilbronn: Kleist-Archiv Sembdner 2009, S. 300), »ist nicht möglich, weil die von Frau Stimming zu Protokoll gegebene Beschreibung nicht detailliert genug ist.« Der amtliche Vernehmungsbericht vom 2. Dezember 1811 hält lediglich fest: »[…] überreichte die verehl. Stimming ein großes Pistol mit der Kolbe etwa 1¼ Fuß lang, und den Lauf, nach der Aufschrift mit Lazarius Comminazzo bezeichnet und versichert, daß dies eines von denjenigen Pistolen wäre, welche abgeschossen bey den beiden Leichnamen liegend vorgefunden worden […].« http://www.textkritik.de/bka/dokumente/dok_m/minde-pouets14.htm – und zudem ist die Frage bis heute unbeantwortet, ob das von Frau Stimming »überreichte« Original überhaupt ein Original war, vid. http://www.stimmings-inn.de/ein-fall-von-produktpiraterie/

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