Mönche und mehr

** Von Martin Maurach, Opava **
Er lebt! oder genauer: er ist auferstanden. Jedenfalls der Standpunkt von Clemens Brentano oder auch der mutmaßliche Ausdruckswille des Caspar David Friedrich, sofern man dem systematischen Theologen und Religionsphilosophen Jörg Lauster glaubt.
Zunächst erfahren wir, assistiert vom Kunstwissenschaftler Werner Busch (2003), daß »die permanente Wiederholung des Kleist-Zitats« von den angesichts des ›Mönchs am Meer‹ gleichsam weggeschnittenen Augenlidern »leider die Breite der damaligen Debatte ›geradezu vernutzt‹« habe. Was immer man sich unter einer ›vernutzten Breite‹ vorzustellen hat – war nicht Friedrichs Gemälde mehr hoch als breit? –, »Kleists Text« sei doch lediglich »eine verunglückte Überarbeitung einer wesentlich ausführlicheren Besprechung des Bildes durch Clemens Brentano«. Was dem einen sein Textglück, mag dem anderen Hekuba sein, oder: Brentano war wohl einfach irgendwie breiter, kriegte zur Strafe jedoch bloß die magerere Zitiergeschichte ab. Aber Spaß beiseite: „Kleist führte Brentanos Irritation weiter“; immerhin, und zwar nicht bloß spazieren, denn: »Brentano und Kleist waren Caspar David Friedrich wohlgesonnen, Kleist ihm sogar freundschaftlich verbunden, die gemalte unfassbare Unendlichkeit des ›Mönchs am Meer‹ ließ beide jedoch erschaudern.« Wie uns diese gedruckte Ungereimtheit noch heute.
(Quelle: Jörg Lauster: Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums. München: Beck 2014, S. 488)

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