More sex please, we’re german

»Deutschland im Sex-Hype?« fragt Börsenblatt.de etwas skeptisch und zitiert eine Meldung von media control, derzufolge »Sexbücher absolut im Trend« sind und »einen wahren Hype in Deutschland« ausgelöst haben. Nun sage niemand, die buchdruckbasierte Erregungswoge sei gänzlich unerwartet über die dasigen Leser hereingebrochen. Vorausgesetzt, man bezieht den Zeitgeist nicht nur aus Talkrunden des gebührenpflichtigen Fernsehens, war ein untrügliches Vorzeichen das marketingmäßig zielgenau in den schwülnassen Sommer hineinlappende Gewese um den ersten Band der Sadomaso-Trilogie Shades of Grey. Geheimes Verlangen von E. L. James, Pseudonym der schottischen Bestsellerautorin Erika Leonard (laut TIME Magazine 2012 zu den 100 einflußreichsten Menschen der Welt zählend), der mittlerweile mehr als eine-million-mal über die Ladentische gegangen ist.
In just dasselbe Genre fällt der Roman Gordon, von Maurice Girodias 1966 in seiner berühmten ›Olympia Press‹ veröffentlicht und seinerzeit in Deutschland und Großbritannien verboten. Autorin war eine gewisse Louise Walbrook, ein Pseudonym der Schriftstellerin Edith Templeton (1916-2006), die sich erst anläßlich der Neuausgabe 2003 öffentlich zu dem Buch bekannte (dt.: Edith Templeton, Gordon. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. München: Claassen, 2004). In einem längerem Artikel des Guardian (26. April 2003) hat Templeton die autobiographischen Hintergründe ihres Romans erhellt – und hier endlich kommt nun Kleist ins Spiel:
»[…] to Edith Templeton he [i.e. Gordon] was a man of the world, a psychiatrist highly regarded in his noble profession, a romantic paragon. In her ears his words echo the sentiments of Heinrich von Kleist, an 18th-century German playwright and philosophiser she insists was ›better than Goethe‹, adding ›and that’s saying something‹. Kleist preoccupied himself with his own interpretation of the fall of man. He believed that there is something suppressed inside us all we cannot control; a force that pulls our strings as though we were puppets. This thing inside us, like the monster in the attic, will erupt and destroy us. QED. Like Gordon, Kleist was reputed to have suffered from problems of sexual impotence. Like Gordon, he committed suicide at an early age. In Kleist’s case, he staged a suicide pact with a young woman who believed herself mortally ill.« http://www.guardian.co.uk/books/2003/apr/26/fiction.features?INTCMP=SRCH

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