Mutwille der Könige

** Von Wolfgang Barthel, Berlin **
Im Verordnungswesen des preußischen Staates der Kleistzeit trifft man gelegentlich auf höchst merkwürdige, für den Kleistfreund zuweilen des Bemerkens würdige Verfügungen, Vorschriften und Allerhöchste Ordres. So erließ Friedrich Wilhelm II. per 8. April 1794 eine Verordnung, worin das Bekleiden von Toten und das Ausschlagen von Särgen, bei Strafen von bis zu einhundert Reichstalern im »Contraventionsfall«, nicht mehr »mit seidenen und baumwollenen Zeugen«, sondern mit Leinen- und Wollzeug erfolgen sollte. Die erklärte Absicht war, die »einländischen Leinen= und Wollenen=Zeug=Fabriken« zu fördern. Man rechnete mit »Denuncianten«; wer Zuwiderhandlungen den Behörden zur Kenntnis brachte, hatte Anspruch auf ein Drittel des Strafgeldes, der Rest sollte in die Armenkasse gehen.
In einer »Allerhöchsten Kabinettsorder« vom 28. September 1810 kam der Nachfolger, Friedrich Wilhelm III., darauf zurück. Er verfügte nunmehr »insbesondere zum Besten der Unbemittelten hierin allen Zwang aufzuheben« und künftig keine Strafen mehr zu erheben. Von den »Bemittelten« erwartete er allerdings »fernerhin vorzugsweise sich der wollenen und leinenen Zeuge« zu »bedienen«.
Ein Schelm, wem dabei Kleists zwölf Tage später in den Berliner Abendblättern erschienene Anekdote Muthwille des Himmels einfällt, worin der Frankfurter »General Dieringshofen«, ein Bemittelter, verfügt hatte, »daß er ganz und gar in dem Zustand, in welchem er sterben würde, mit Nachtmütze, Hosen und Schlafrock, wie er sie trage, in den Sarg gelegt und begraben sein wolle«. Wird sein Nachtzeug wohl aus Wolle und Leinen bestanden haben? Wer weiß.
Sicher, der wirkliche General von Diringshofen starb bereits 1776, was in Kleists Anekdote jedoch unerwähnt bleibt.

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