Nach mündlicher Mitteilung

Als Ada Pinelli noch Ada von Treskow hieß und knapp zwei Jahrzehnte, ehe sie unter dem Pseudonym Günther von Freiberg ihre Erinnerungen an Ulrike von Kleist publiziert haben wird, schrieb sie in einem Brief an Hermann von Pückler-Muskau vom 11. März 1865: »›Noch ist’s nicht so weit!‹ sagte der alte, damals junge Pfuel immer zu seinem Freunde Heinrich von Kleist, wenn der melancholische Dichter ihm vorschlug, sich mit ihm gleichzeitig irgendeinen poetischen Tod zu geben.« (Liebesbriefe eines alten Kavaliers. Briefwechsel des Fürsten Pückler mit Ada von Treskow. Hg. von Werner Deetjen. Berlin: Metzner 1938, S. 189).
Kleists Äußerung ist – Deetjen merkt dies an – erstmals überliefert worden von Adolf Wilbrandt (Heinrich von Kleist. Nördlingen: C.H. Beck 1863, S. 200) »nach mündlicher Mittheilung«: »›Noch ist es nicht Zeit, warte nur noch: sobald es Zeit ist, werde ich’s Dir sagen‹.«. Wilbrandt über seinen Gewährsmann, »den dreiundachtzigjährigen General Ernst von Pfuel, der in Berlin einsam hauste und vier Jahre später starb. Der alte Herr empfing den wißbegierigen jungen Schriftsteller mit beinahe herzlicher Freundlichkeit, in junggesellenhafter Verwahrlosung, ohne Rock, in einer Art von Kamisol und ungefähr wie eben aus dem Bett gestiegen. Sein verwitterter Kopf lebte aber bei meinen Fragen warm und wärmer auf; er verjüngte sich an den Erinnerungen aus so ferner Zeit, die er mit erstaunlich frischem Gedächtnis und zum Teil mit Feuer erzählte. Ich sah, wie klar und unverwischt ihm das alles vor den Augen stand. In meinem Buch konnte ich manches verwenden aus der sofort entstandenen Niederschrift; die alte Exzellenz habe ich nur dies eine Mal gesehn. Endlich konnte das Kleistbuch geschrieben werden […].« (Adolf Wilbrandt: Aus der Werdezeit. Erinnerungen. Neue Folge. Stuttgart und Berlin: Cotta 1907, S. 121). Never trust old men!

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