Nachklänge (2)

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Auf einer Hölderlin-Recherchereise, die mir Rainer Schmitz (München) ermöglichte, stieß ich 1998 im Nachlaß von Friedrich von Matthisson (Wissenschaftliche Bibliothek der Anhaltischen Landesbücherei Dessau) auf Tagebuchnotizen über den »[f]urchtbare[n] Selbstmord zweyer Liebenden im Gasthofe zum Großfürsten« in Stuttgart (11. September 1826), den der Dichter als »Seitenstück zu der […] Tragödie« Kleists und Henriette Vogels bezeichnete. Mehrere Tage lang konnte er die »beyden Unglücklichen«, deren Suizidversuch mißlang, im Hospital besuchen, wo sie »neben einander« lagen (23. September 1826: »Nachmittags bey der noch lebenden Selbstmörderin im Lazareth […]«).

Über ähnliche Vorfälle, die »an das Schicksal Heinrichs von Kleist erinnert[en]« (Bremer Zeitung Nro. 83 vom 23. März 1820, S. [1]), berichtete die zeitgenössische Presse immer wieder.
Aus einem Korrespondenz-Artikel der Zeitung für die elegante Welt Nr. 120 vom 21. Juni 1824 (Sp. 967) über einen weiteren Doppelselbstmord in Berlin: »Bemerkenswerth ist, daß dies Paar in dem nämlichen Wirthshause (bei Stimming) zusammen gespeist hat, wohin vor mehrern Jahren Heinrich v. Kleist mit der Gattin eines hiesigen Kassenbeamten fuhr, um demnächst, wie diese Beide, freiwillig aus der Welt zu scheiden. Schwerlich hat dies Paar etwas von dieser blutigen Katastrophe gewußt, am wenigsten aber die damaligen sophistischen Apologien dieses doppelten Mordes gelesen, und dennoch konnte es auf die nämliche tragische Weise enden. In beiden Fällen war Ueberspannung das Motiv; aber dem letztern unglücklichen Schlachtopfer der Liebe und des schnöden Eigennutzes hartherziger Aeltern wird man ein ungetheiltes Mitleid schenken, denn hier verletzte keine Gattin die Pflichten gegen ihren Mann und Kinder, und eben so wenig wurde freundschaftliches Vertrauen und Gastfreundschaft auf eine schnöde Weise grausam getäuscht.« http://tinyurl.com/n49fbuu

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