Neuer Schluss

Der Kafka-Biograph Reiner Stach bringt einen zuerst am 7. August 1933 erschienenen Zeitungsartikel in Erinnerung, aus dem hervorgehrt, daß Kafka nach Aussage seines Freundes Robert Klopstock Kleists Anekdote Französisches Exercitium das man nachmachen sollte (Berliner Abendblätter, 22. Blatt, 25. Oktober 1810) »besonders gern vor[las]«. In einem nicht überlieferten, angeblich »letzten Brief« an Klopstock habe Kafka für die Geschichte »einen neuen Schluss« erfunden: »Der letzte der Soldaten, die der französische General aufstellt, müsste ihm antworten: ›Und hier wirst du sterben!‹, müsste zum Karabiner greifen und den General niederschiessen.« http://www.franzkafka.de/franzkafka/fundstueck_archiv/fundstueck/1452421

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3 Kommentare zu Neuer Schluss

  1. Martin Maurach sagt:

    Wären da nicht, ungeachtet der Literaturpreis-Inflation, eine Flasche Danziger auszuloben oder auch zwei für den besten Alternativschluss einer Kleist-Anekdote? Was wurde wirklich aus dem einzelnen preußischen Reiter? Blieb der Kapuziner so ganz ohne Antwort oder der General Hulin? Und was, wenn sich der kürzlich übergefahrne Mann doch nicht vor den Doktoren in Acht genommen hat?

  2. Wird hiermit! Ersatzweise auch eine Flasche Moët & Chandon für den Spitzenplatz, soweit Vorrat reicht. (Rechtsweg ausgeschlossen!)

  3. Martin Maurach sagt:

    Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege

    In einem bei Jena liegenden Dorf, erzählte mir, auf einer Reise nach Frankfurt, der Gastwirt, daß sich mehrere Stunden nach der Schlacht, um die Zeit, da das Dorf schon ganz von der Armee des Prinzen von Hohenlohe verlassen gewesen wäre, ein einzelner preußischer Reiter darin gezeigt hätte und versicherte mir, daß wenn alle Soldaten, die an diesem Tage mitgefochten, so tapfere Trinker gewesen wären, sie die Franzosen für mehr als dreimal stärker gehalten hätten, als sie in der Tat waren, und zumindest er, der Wirt, als ein gemachter Mann aus dem Treffen hätte hervorgehen müssen.
    Dieser Kerl, sprach der Wirt, trabte ohne übertriebene Eile vor meinen Gasthof, und rief: „Herr Wirt“ und da ich frage: was gibt’s? „ein Glas Branntewein!“ antwortet er, indem er nach seinem Schwert in der Scheide tastet, ob’s wohl noch da wäre: „mich dürstet.“ Nun sieht der Kerl mir allerdings so aus, als ob er einen tüchtigen Schluck brauchen könnte; freilich nicht ganz danach, daß er dergleichen auch vertrüge. He! Liese! rief ich, und schaff‘ ihm eine Flasche Danziger herbei, und sage da! und will ihm die ganze Flasche in die Hand drücken. „Ach was!“ spricht er, indem er die Flasche wegstößt, und sich den Hut abnimmt: „wo soll ich mit dem Quark hin?“ Und: „schenk‘ er ein!“ spricht er, indem er sich den Schweiß von der Stirn abtrocknet: „denn ich habe keine Zeit!“ Nun, da die Flasche bei ihm also nicht auf einmal hinunter will, laß ich mich nicht lange bitten, Da!, sag ich und schenk‘ ihm ein, gut gemessen; da! trink‘ er! Wohl mag’s ihm bekommen. Er nun, wahrhaftig, wiewohl noch ein wenig blaß um die Nase, hebt das Glas und trinkt und, „Henker“, sagt er, „sieht er nicht, Herr Wirt? Drei Chasseurs halten ja schon vor dem Tor!“ Nun, und ich, ich kneife die Augen zusammen, beschatte sie mit der Hand, hm, sag ich und mustere dann wieder von nahem diesen Kandidaten oder Kantonisten und, durch solches Beispiel kühn gemacht, frag‘ ich ihn: Noch Eins? „Noch Eins!“ spricht er, und streckt mir leicht zitternd das Glas hin. Da! sag‘ ich, und schenk‘ ihm noch, wie er verlangt, ein Zweites, und schenk‘ ihm, da er dieses getrunken, ohne groß zu fragen noch ein Drittes ein. Vier Chasseurs will er nun ins Dorf reiten sehen, oder gar schon sechs. Der Schnaps aber sei gut, schüttelt sich der Kerl, und weil, mein Seel, mein Beutel auch sein Recht haben muß, laß ich mir den ganzen Spaß hoch und teuer bezahlen, mach ihm noch mit einem vierten Gläschen ordentlich Feuer unterm Hintern, und er, meiner Treu, bei dem die Blässe völlig verschwunden scheint, setzt sich endlich den Hut auf, greift zum Zügel, wendet das Pferd, ruft „B-b-bassa M-m-anelka!“, zieht vom Leder und haut an dem völlig verdutzten einzelnen Chasseur – Aha, denk‘ ich, denn nun hab ich diesen endlich auch ausgemacht -, haut, sag ich, wahrhaftig rechts und links an diesem vorbei ins Leere, als sähe er die ganze französische Reiterei vor sich, überschlägt sich vornüber mitsamt dem Gaul und wäre für tot auf dem Pflaster geblieben, hätt‘ ich ihn nicht zusammen mit dem Franzosen aufgehoben, in die Gaststube geschafft und dort verbunden. Und solche Kerle, sprach der Wirt, seh‘ ich mein Lebtag immer wieder. Können halt nichts vertragen.

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