Nicht in der Lage, vertreten zu sein

** Von Martin Maurach, Opava **
»Sehr verehrter Herr Professor [Georg Minde-Pouet], die Deutsche Akademie der Dichtung, an die Sie als Sektion der Preussischen Akademie der Künste freundlicherweise« – etc.; gemeint ist hier aber nicht etwa der angeredete Minde-Pouet als Einmannsektion, sondern das ist nur das Deutsch des am 30. November 1934 unterzeichneten »2. Vorsitzenden« besagter Akademie, des Dr. h.c. [Rudolf] Binding – und Minde-Pouet, laut Adresse schon im damaligen Königsberger Parkhotel auf der Tagung der Kleist-Gesellschaft ebendort, erfährt auf diesem Wege auch nur, daß die Dichterin Agnes Miegel (1879-1964) leider erkrankt sei und die Akademie sich »nicht in der Lage [sieht,] durch ein anderes unserer Mitglieder nunmehr dort vertreten zu sein«.
Das war freilich eh’ fast wurscht, da die Tagung nur vom 30. November bis zum 2. Dezember 1934 dauerte und Wissenschaft und Dichtung dort weniger stark vertreten waren als die Abordnungen von HJ, SA usw. Agnes Miegel, die Kleist-Preisträgerin und gebürtige Königsbergerin, wird im nachhinein vielleicht nicht allzu sehr bedauert haben, daß sie zu Hause bleiben mußte.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.