Nicht nur eine Frankfurter Spezialität

** Von Martin Maurach, Opava **
»Wann ist es Zeit, sobald es nicht jetzt ist, es von den Deutschen zu erwarten, daß sie die Gesichter ihrer größten Männer nehmen und bossiren in Eßwaaren, weil doch der Magen das größte deutsche Glied ist? […] man könnte große Helden auf Kommißbrod nachbosseln, um die gemeine Soldateska in Feuer zu setzen und in Hunger nach Ruhm – große Dichter würd’ ich auf Brodkuchen abreißen in eingelegtem Bildwerk, und Heraldiker von Genie auf Haferbrod – von Autoren für Weiber wären süsse Projektionen in Zuckerwerk zu entwerfen. – Geschähe das, so würden Köpfe wie Haman oder Liscov allgemeiner von den Deutschen goutiret in solcher Einkleidung; und mancher Gelehrte, der kein Brod zu essen hätte, würde eines doch verzieren; und man hätte außer dem papiernen Adel noch einen gebacknen.«
Nichts läge uns hier ferner als Schleichwerbung für die in einer odernahen Konditorei – doch hoffentlich immer noch – erhältliche süße Kreation mit Autogramm und Portrait unseres Dichters (nach der Kreidezeichnung). Es war nur zu zeigen, daß die Idee, wie alles Gute, ihre Geschichte hat.
(Quelle: Jean Paul: Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Biographie. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Zweites Heftlein [17. Hundsposttag]. Berlin: Matzdorff 1798, S. 45f.)

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