Noch viel zu viel Vernunft

»[…] das Spukhafte besteht nicht nur darin, daß Todte als Lebendige sich regen, sondern vorzüglich darin, daß todte Dinge, Besenstiele, Messer, Uhren, Bilder, Puppen, lebendig werden und noch eine Potenz höher nur noch darin, daß wunderliche Töne erklingen, seltsame, ganz unerhörte, unaussprechliche Mysterien bergend; denn wenn noch ein gewisser ethischer Zusammenhang da ist, wie in Kleist’s Bettelweib von Locarno, wo aus dem Winkel eines Zimmers zu einer gewissen Zeit ein röchelnd durchdringender Ton erschallt, weil man hier einmal ein armes Bettelweib hat verschmachten lassen, dessen Todesseufzer zur selben Stunde sich seitdem als eine gräßlich feierliche Mahnung zum Mitleid vernehmen läßt, so ist noch viel zu viel Vernunft da.« (Karl Rosenkranz: Ästhetik des Häßlichen. Königsberg: Bornträger 1853, S. 351)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.