Nur geklaut

In einem Poem aus elf Sextetten, überschrieben Die Familie Schroffenstein, macht sich Helge Thun so seine Reime auf eine nicht gänzlich unbekannte Tragödie gleichen Titels; was Herr Stimming ohne den findigen R.B. aus S.G. (tausendundein Dank!) höchstwahrscheinlich nie und nimmer bemerkt hätte. – Hier Kostproben vom Anfang und Ende:

Es folgt ein Stück von Heinrich Kleist,
das ein bisschen peinlich heißt.
Denn ein Titel, will ich offen sein,
wie »Die Familie Schroffenstein«
ist nichts, dem ich Genie anmerk’.
Okay, es ist sein Erstlingswerk.

Doch was mich auch nicht grad’ vom Hocker haut:
der Stoff ist nicht mal neu, sondern geklaut!
Stammt von so’m Typ aus England,
was Kleist wohl nicht so eng fand.
Das Original heißt Romeo
und – glaub ich – Jutta oder so.

[…]
Ottokar ergeht es ebenso,
die Väter werd’n nie mehr im Leben froh,
denn beide ham ihre Kinder erschlagen,
weshalb sie sich dann doch noch vertragen.
Also halten Sie mich ruhig für’n Stresser,
aber Shakespeares Version find ich besser!
(aus: Helge Thun: Wollte Waldemar wegen Wetter warnen. Gedichte, Sketche und Kolumnen. Tübingen: Klöpfer & Meyer 2015, S. 48-50)

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