Phrasen von anno dunnemals

»Ist er uns noch pathologisch?« fragt die Pädagogin Martha Strinz in ihrem Artikel Zur hundertjährigen Wiederkehr von Kleists Todestag (in: Die Lehrerin. Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins, 25.11.1911, S. 275), um alsogleich zu beruhigen: »Ich zeige meinen Schülerinnen seine große Gesundheit! die höchste Lebensenergie seiner Menschen, ihr gewaltiges Wollen, den Freiheitsdurst, die Vaterlandsliebe, die als glühende Leidenschaft jede andere Regung verzehrt und allein die große Befreiungstat auslöst. Und bei aller Gewalt des Individuums die selbstlose Unterordnung des Größten unter das Gesetz. Wer hat die Kräfte, die Brandenburg-Preußen groß gemacht, so eindringlich dargestellt als er im großen Menschenbild des Kurfürsten? wer die Selbstbeschränkung als den harten Weg zur Größe so eindringlich erwiesen als er im ›Prinzen von Homburg‹?
Nun liegt der Lorbeerkranz, um den der Lebende verzweifelnd gerungen, um seine verklärte Stirn.«

Noch einen drauf setzt die Nachschrift der Redaktion: »[…] junge, werdende Menschen brauchen noch nicht zu begreifen, daß für Kleist auch die Selbstvernichtung ein Gesundungsprozeß war und darum über seinem Tode eine verklärende Ruhe und Heiterkeit liegt, die seinem Leben fehlte.«

A propos Martha Strinz: im Kleistjahr 1927 hat sie Das Käthchen von Heilbronn herausgegeben (Leipzig: Freytag 1927 [Freytags Sammlung deutscher Schriftwerke 70]).

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