Randbemerkungen

** Von Arno Pielenz, Cottbus **

zu Amphitryon

Wenn Jupiter liebte, so kam er als Stier, als Goldregen, als Singschwan oder als Wolke.
Und er wurde geliebt, denn die Frauen lieben die Stiere, die Goldregen, die Singschwäne und besonders die Wolken.
Aber niemals kam er als Jupiter.
(Egon Friedell: Konversationslexikon)

Was an der Frau nur Beute und Raub zu sein vermag, befriedigt auf die Dauer nicht. Im Zuge der Verfeinerung entsteht beim Mann der Wunsch, die Beute möge sich ihm aus eigenem Antrieb ergeben. Denn in den Besitz ihres Frauentums gelangt man nur, wenn man es für sich gewinnt. So wird die Beute zum Lohn. Und um ihn zu erlangen, muß man seiner erst würdig werden, muß man sich zu dem Mannestum erheben, dessen Ideal die Frau unbewußt in sich trägt. Durch diesen seltsamen Vorgang kommt es zu einer Vertauschung der Rollen: der Ausbrecher wird zum Gefangenen.
(José Ortega y Gasset: Vom Einfluß der Frau auf die Geschichte)
* Am Rande: Das Rechtschreibprogramm von WORD kennt das Wort ›Mannestum‹ nicht. Sollte uns Männern das nicht zu denken geben?

… und zum Krug

Der Amtmann setzte sich in Fassung, sah ihn an, räusperte sich und fragte das arme Kind, wie ihr Name heiße und wie alt sie sei?
Ich bitte Sie, mein Herr, versetzte sie, es muß mir gar wunderbar vorkommen, daß Sie sich um meinen Namen und mein Alter fragen, da sie sehr gut wissen, wie ich heiße, und daß ich so alt wie Ihr ält’ster Sohn bin.
(Goethe: Wilhelm Meisters theatralische Sendung. II 6)

dem Amte wohlbekannt
(Kleist: Der zerbrochne Krug. V. 590)
* Ausführlicheres bei Friedrich Michael: Goethes Amtmann und Kleists Dorfrichter, in: Jb der Kleist-Gesellschaft 1922, S. 75-84.

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