Raub der Flammen

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Von heute her gesehen, mutet die Absicht ja etwas optimistisch an, 1945 aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Kleist-Gesellschaft von der auf Erich Schmidt zurückgehenden, auf acht Bände angelegten Kleist-Ausgabe eine »Monumentalausgabe auf bestem Papier und in bestem Einbande« herzustellen. Georg Minde-Pouet verkündete dieses Vorhaben jedoch am 30. März 1944 einem Mitarbeiter des zuständigen Verlages, nämlich des Leipziger ›Bibliographischen Instituts‹, einem Dr. Mittelstädt. Genau einen Monat später hieß es sogar, »dass eine Normal-, eine Vorzugs- und eine Prachtausgabe gewünscht werden«. Immerhin waren seit 1933 insgesamt nur zwei komplette Bände des Kleist-Jahrbuchs erschienen, was eine Warnung hätte sein können.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit stand nun aber außerdem der Krieg. Nach Auskunft desselben Briefes sollte der Kommentar von Helmut Sembdner zu Kleists ›Kleinen Schriften‹ verbrannt sein, nach einer beiläufigen Bemerkung von Frankfurts Stadtschulrat Otto Kretschmann an Minde-Pouet vom 13. April 1944 »das Manuskript« des geplanten achten, des Kommentarbandes, schlechthin. Damit wäre wohl auch eine von Minde-Pouet vorgeschlagene »Notlösung« auf der Grundlage von Reinhold Steigs »Anmerkungen und Lesarten zu den Kleinen Schriften« hinfällig gewesen.
Im Brief vom 30. April erbat Minde-Pouet Mittelstädts telefonische Rückfragen an den Anschluß seiner »Privatwohnung, die auch nur noch notdürftige Unterkunft gewährt […] – falls nicht bis dahin auch das Telephon zerstört ist«. Diese Zeilen jedenfalls klingen realistisch.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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