Rausschmiß per Kampfblatt

In Karlsruhe ist anläßlich des Stadtjubiläums die Produktion Stolpersteine Staatstheater uraufgeführt worden. Das Dokumentarstück, das von Hans-Werner Kroesinger, der auch Regie führt, gemeinsam mit Regine Dura (Textfassung) erarbeitet wurde, beleuchtet, »wie im Badischen Staatstheater Karlsruhe unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung jüdische Mitarbeiter von jetzt auf gleich ihre Arbeit verloren. Eine Aufführung, die nicht auf betroffene Anklage setzt, sondern auf das Studium der Aktenlage.« (Cornelie Ueding im Deutschlandfunk). – Hier das ausführliche Programmheft: http://www.staatstheater.karlsruhe.de/media/programmheft/bast_programmheft_stolpersteine.pdf

Die Theatermacher berichten im Stadtmagazin INKA von ihren Recherchen:
»INKA: Was hat sich mit Hitlers Machtergreifung am Badischen Landestheater geändert?
Dura: Der bisherige Intendant Waag wird entlassen und durch einen parteitreuen Nachfolger, Thur Himmighoffen, ersetzt. Den jüdischen Ensemblemitgliedern wird gekündigt, ihre Verträge werden nicht verlängert. Sie erfahren von ihren Kündigungen aus dem Kampfblatt ›Der Führer‹. Über den Spielplan entscheidet nun nicht mehr das Theater selbst, sondern die Reichstheaterkammer – der Vorsitzende ist Reichspropagandaminister Goebbels – kontrolliert von Berlin aus flächendeckend das ganze Schaffen der Theater. In Bühnenblättern werden Analysen von Klassikern wie Kleist und Schiller abgedruckt, die nationalsozialistisch umgedeutet werden. Die Hakenkreuzfahne wird auf dem Dach des Theaters gehisst.
Kroesinger: Das Theater bekommt einen eigenen Propagandaleiter, der darauf achtet, ob linientreu agiert wird. Die HJ hat plötzlich eine Funktion in der Badischen Jugendbühne. Der Prozess der Gleichschaltung und der Ausschaltung von allem anderen geht in einer unglaublichen Geschwindigkeit sehr präzise voran. Die Hetze gegen das Theater geht aber schon vor dem 30.1.1933 in Propagandablättern los. Man hat sich früh aufs Theater gestürzt, als Faktor, der eine Öffentlichkeit herstellt. Und bereits 1933 gibt es eine erste Luftschutzübung im Badischen Landestheater. Wenn ich kurz nach einer Wahl im Theater sitze und es wird die Vorstellung unterbrochen und erklärt, was ich im Falle eines Luftangriffs zu tun habe, das sollte einem doch zu denken geben….« https://www.inka-magazin.de/buehne-klassik/stolpersteine.html

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