Reeducation

»Gemäß dem Schillerschen Prinzip des Theaters als ›moralischer Anstalt‹ […] entwarfen die amerikanischen Behörden eine Hitliste erstrebenswerter moralischer Lektionen. […] Als ›für den gegenwärtigen geistigen und psychischen Zustand der Deutschen‹ ungeeignet galten ›alle Stücke, die wie die griechischen Klassiker die blinde Schicksalsmacht akzeptierten, die unausweichlich in Zerstörung und Selbstzerstörung mündet‹. Auf die schwarze Liste wurden (wegen ›Glorifizierung von Diktatur‹) ebenfalls Julius Caesar und Coriolan gesetzt; Kleists Prinz Friedrich von Homburg galt als ›Chauvinismus‹; Tolstois Der lebende Leichnam als ›gerechte Gesellschaftskritik, die auf asoziale Folgen hinausläuft‹; alle Stücke von Hamsun (›reine Naziideologie‹) wurden ebenso verboten wie sämtliche Stücke, die den Behörden ›anfällig für nazistische Deutung‹ erschienen.« (Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt …. Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg. Aus dem Englischen von Markus P. Schupfner. Berlin: Siedler 2001, S. 32f.; Quelle: Lionel Royce [Theater and Music Section, OMGUS Education and Cultural Relations Division] an Hans Speier [Office of War Information], Washington, 12. Mai 1945)

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