Rodzina Schroffensteinów (1)

›Die Familie Schroffenstein‹ als deutsch-polnische Tragödie in Frankfurt/Oder. – Probensplitter des Dramaturgen Albrecht Simons von Bockum Dolffs:
Jetzt wird geprobt. Endlich. Gestern beispielsweise die dritte Szene des zweiten Aktes, in der Sylvester beschließt, Rupert, der ihm und seinem Hause Vernichtung geschworen hat, persönlich zu treffen und all die tödlichen Mißverständnisse in einem Gespräch auszuräumen. Dazu wird es bekanntlich nicht kommen, und Kleists Tragödienmaschine wird bis zum schrecklich-lustigen Ende immer heißer laufen. Auch Jeronimus, der diplomatische Vermittler, bleibt skeptisch und entgegnet: »Es ist ein blinder Griff, / Man kann es treffen.« In der polnischen Übersetzung heißt es aber: To walenie kijem na ślepo. Aleć się pociesz, że możesz trafić. (»Es ist ein blinder Griff. / Ich habe die Hoffnung, daß man es trifft.«) Das ist natürlich nicht dasselbe, und es dauert eine diskussionsreiche Ewigkeit, bis wir uns auf eine polnische Formulierung geeinigt haben. So geht sie hin, die knappe Probenzeit.

Aber der Reihe nach: Wie Stimming’s-Stammgäste längst wissen, zeigt das ›Kleist Forum‹ im Rahmen der Kleist-Festtage 2012 Die Familie Schroffenstein in der Regie von Johannes von Matuschka. Premiere ist am 19. Oktober, und das Haus Rossitz ist mit deutschen, das Haus Warwand mit polnischen Schauspielern besetzt, die jeweils auch nur ihre Sprache sprechen. Folglich wird das Stück deutsch und polnisch übertitelt und das Kleistsche Kommunikationsdesaster wörtlich genommen.

Da Die Familie Schroffenstein, wie übrigens erstaunlich viele Kleist-Texte, nicht ins Polnische übersetzt war, wurde die renomierte Übersetzerin Agnieszka Grzybkowska damit beauftragt, unsere stark bearbeitete Fassung ins Polnische zu bringen. Für die Übersetzung des ganzen Stückes fehlte leider das Geld, und da im Laufe der Proben die Textfassung immer in Bewegung bleibt – Neues hinzukommt, Altes herausfliegt –, heißt unser szenisches Proben auch immer Neuübersetzen, und mehr noch als bei konventionellen Kleist-Produktionen raufen wir uns bei jeder verzwickten Formulierung die Haare. Statt also aus voller Kraft mit den szenischen Proben zu beginnen, sitzen wir stundenlang an der Bühnenrampe und reden auf Deutsch, Polnisch und Englisch über Kleistsche Grammatik und Grimmsche Wortbedeutungen und wissen zwar, daß wir damit dem Autor recht nahe kommen, von einem fertigen Theaterabend aber noch ziemlich weit entfernt sind.

Bald mehr von der babylonischen Schroffenstein-Familie, wenn es heißt: Wie bringt man einen Fackelzug auf die Bühne und wohin zum Teufel stellt man die 100 Mann starken deutsch-polnischen Kinderchöre?

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