Rodzina Schroffensteinów (2)

›Die Familie Schroffenstein‹ als deutsch-polnische Tragödie in Frankfurt/Oder. – Probensplitter des Dramaturgen Albrecht Simons von Bockum Dolffs:
Wenn das Käthchen Kleists Feuerdrama ist, dann ist Die Familie Schroffenstein sein Wasserstück. (Gibt es ein Luft-, ein Erddrama?) In allen Fugen und Ritzen des Stückes begegnet einem Wasser: Die ertrunkene Kinderleiche, die ›vergiftete‹ Quelle, Johann, der »hinab in einen Strom« stürzt, Ruperts Narziß-Moment vor dem Mord an seinem Sohn und so fort. Wasser taucht immer dann auf, wenn die bestehende Ordnung gestört wird.
Ist das eine gewinnbringende Beobachtung für die Inszenierung des Stückes? Vielleicht, denn auch die beiden Hexen Barnabe und Ursula, mit deren Auftauchen Kleists Erstling endgültig den Weg zum absurden Drama einschlägt, werden durch Wasser eingeführt und rühren in einem Kessel einen »Glücksbrei« an. So auch bei uns, allerdings in einer verrückten, lauten, komischen Wasserschlacht, die die Bühne naß und rutschig macht, was sie bis zum lachhaft-tödlichen Ende bleiben wird. Auch bei uns wird Wasser also zum ordnungssprengendem Element, und der Regieeinfall kommt direkt von Kleist himself.
Spätestens seit den Endproben haben wir die Übersetzungsfragen aus den Augen verloren. (Siehe Probensplitter die Erste.) Was jetzt nicht korrekt-elegant übersetzt ist, wird es nicht mehr. Stattdessen beschäftigen uns die Übertitelungsfragen. Unsere ganze Inszenierung wird ja übertitelt, weil die Schroffensteins aus Rossitz von Deutschen und die aus Warwand von Polen gespielt werden, die jeweils in ihrer Sprache sprechen. Um es für die Zuschauer zu vereinfachen, haben wir uns entschieden, immer alle Szenen in beiden Sprachen zu übertiteln. Links über der Bühne deutsch, rechts polnisch. Auch wenn die deutsche Seite spricht, kann man also in deutsch mitlesen. So ist Kleists Sprache an diesem Theaterabend immer doppelt anwesend: auf der Bühne als Wort, darüber als Schrift. Das ist für die Schauspieler natürlich gnadenlos, da jeder noch so kleine Wortverdreher mitgelesen wird.
Das Kleist-Forum besitzt leider keine professionelle Übertitelungsanlage, und wir behelfen uns mit einer ganz normalen Power-Point-Präsentation. Um diese nicht zu groß werden zu lassen, haben wir zunächst versucht, den Text nicht wortwörtlich zu übertiteln, sondern ihn in Sinneinheiten zu teilen. Probieren Sie das einmal mit einem Kleist-Text, werte Leserschaft. Es ist hoffnungslos, und so ist nun jedes Wort, das gesprochen wird, auch über der Bühne zu sehen.
Als eine große Power-Point-Präsentation gilt es übrigens, wenn 50 Folien gezeigt werden. Bei uns sind es fast 1000! Und so wird die spannendste Frage vor jeder Aufführung nicht etwa, ob die Spieler ihren Ton treffen, sondern ob der Computer abstürzt oder nicht.

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Ein Kommentar zu Rodzina Schroffensteinów (2)

  1. Ute Schirmack sagt:

    Interessant, wie Wasser und PPP-Seiten bestimmende Elemente eines Theaterprojekts werden können! Diese Perspektive vom Geschehen kannte ich noch gar nicht. Und dafür hat’s ja auch prima funktioniert, mit dem Weiterklicken. Bis auf einen kleinen Stotterer.

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