Schriftstellerpflicht und -schuldigkeit

Katharina Teutsch über einen Spazierganz mit Jonathan Lethem am Wannsee:
»Ein unscheinbarer Grabstein, von hinten leicht mit einem Stromkasten zu verwechseln, erinnert heute an die dramatischen Ereignisse vor mehr als zweihundert Jahren: Am 21. November 1811 erschoss Heinrich von Kleist erst seine moribunde Begleiterin Henriette Vogel, dann sich selbst am Ufer des Stolper Lochs. Jonathan Lethem liest bei einem ersten Erkundungsspaziergang an den Ufern des Berliner Wannsees, was auf diesem Grabstein geschrieben steht – freilich auf übersetzungsbedürftigem Deutsch, denn er hat die Sprache des Landes seiner Vorfahren nie gelernt: ›Er lebte, sang und litt in trüber, schwerer Zeit, er suchte hier den Tod und fand Unsterblichkeit.‹ Das Kleist’sche Todesgewässer wurde inzwischen umbenannt in Kleiner Wannsee. Der Name des Dichters, der hier seine letzte Ruhe fand, ist dagegen unsterblich geworden. Ein Abstecher zum Kleist-Grab gehört heute zu den vornehmsten Pflichten eines Schriftstellers, den es in den verschlafenen Westen Berlins verschlägt.« http://derstandard.at/1392686711094/Ein-waschechter-Amerikaner

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