Schwieriger Herr

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
Hugo von Hofmannsthal und Carl J. Burckhardt kommen in ihrem Briefwechsel (Frankfurt a. M.: Fischer 1956) mehrfach auf Kleist zu sprechen. Hofmannsthal gedenkt 1919 des »schwierigen Alter[s]«, in dem sich Burckhardt befinde: wie »Herder in Riga und Heinrich Kleist um 1802« (S. 14) – Burckhardt war 28 Jahre, Kleist im genannten Jahre 25.
Fünf Jahre später geht Burckhardt auf den kümmerlichen Zustand der deutschen Romanliteratur ein und kommt dann anerkennend auf Kleist zu sprechen:
Wenn Kleist erzählt, so klingt etwas eminent Herrenmäßiges, ein ungewohnter Ton in unserer so durchaus bürgerlichen Literatur. Bei Kleist lauter Meisterwerke, keine graue Stellen, wie sie für die ganz großen Autoren so bezeichnend sind, die hohen Augenblicke als Hintergrund steigernd und hinaushebend. Fast ermüdende Perfektion eines seine Höhe und Spannung früh mit dem Leben zahlenden Genies, das beständig da und dort in der Welt die explosivsten Stoffe sammelt. Aber auch dieser preußische Junker Kleist hat keine Welt, die er schöpferisch entwickeln muß, er muß gar nichts, er will, er will sich selbst wehtun bis zur Zerstörung. (S. 160 f.)
Und noch einmal zwei Jahre später bemerkt Burckhardt:
Kleist bleibt, […] wenn er erzählt, im Raum, er verliert sich nicht an seine »Jetztzeit«. […] Wer es aushält, im »Raum« zu leben, ist allerdings einem furchtbaren Druck ausgesetzt, Kleist hat ihn nicht ausgehalten, die Gelassenheit der Reife war ihm nicht vergönnt. (S. 210)
Und in Varese gedenkt Hofmannsthal Kleists, wo dieser auf »seiner Flucht aus der Schweiz ein paar Wochen Ruhe fand«. (S. 282)
Der Briefwechsel der beiden klugen Männer ist natürlich über die Kleist-Erwähnungen hinaus lesenswert.

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