Schwunghafter Handel

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Manche Anekdoten vom Umgang Georg Minde-Pouets mit Kleist-Dokumenten sind bekanntlich unwert, in Erz gegraben zu werden. So findet sich in seinem Brief an den Berliner Antiquar Karl von Hohenlocher vom 9. Juni 1937 der schöne Satz: »Ich würde ihn in diesem Falle von der Staatsbibliothek übernehmen«. Wen? Einen Brief »des Frankfurter Gymnasialdirektors Spieker aus dem Jahre 1847«, der »über den Verbleib der Briefe Heinrich von Kleists an seine Schwester Ulrike handelt«.
Hohenlocher hatte diesen Brief der Preußischen Staatsbibliothek zum Kauf angeboten. Diese, so Minde-Pouet, habe aber wenig Interesse, weil das Schreiben keine neuen Tatsachen enthalte. Er hingegen würde es trotz seiner geringen Bedeutung für drei Reichsmark »für die Sammlungen der Kleist-Gesellschaft« erwerben. Folgt obiger Satz.
Pikanterweise im gleichen Jahr, in dem Minde-Pouet die von der Kleist-Gesellschaft ›entliehenen‹ Kleist-Briefe an die Staatsbibliothek verkaufte, ›übernahm‹ er also an deren Statt Bestände im Gegenwert von 3 RM zugunsten der ›Gesellschaft‹. Daß er damals wegen der Arbeit an der Fortsetzung des ›Goedeke‹ in der Staatsbibliothek ein- und ausging, läßt weitere schwunghafte Verquickungen befürchten.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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