Stroh und Knüppel

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Kleist darf natürlich auch in einem hochseriösen Forschungsüberblick zum im März 1963 erstmals in Deutschland gesendeten Sketch Dinner for One nicht fehlen:

»Auf die Bedeutung des ausgestopften Tieres weist die Kleist-Expertin Christiane Lehrmayer hin. Dabei gehe es dem Autor nicht um die Not der Tiere, vielmehr wolle er zeigen, daß die Handlungen der Vergangenheit (erfolgreiche Jagd) sich dem Menschen wie Knüppel zwischen die Beine werfen, so daß er, bildlich gesprochen, unweigerlich ins Stolpern gerät, ja selbst dann überall sich selbst im Weg steht, wenn er sein soziales Feld wie ein Museum ausstaffiert und mit den Menschen kommuniziert wie mit leerem Stroh.«
Wer möchte da im Tigerfell nicht ein heimliches Auerochsen- oder gar Bärenfell erblicken?
(Quelle: Prof. Peter Serebriakow: Die Seelen und die Formen. Erläuterungen und Interpretationen zum 90. Geburtstag, in: [o. Verf.]: Dinner for One. Freddie Frinton, Miss Sophie und der 90. Geburtstag. Hamburg: Edition Nautilus, 4. A. 1993, S. 47)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.