Tagungen sind besser als Krieg

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Ausgesucht höflich schrieb Georg Minde-Pouet am 28. August 1939 an Dr. Walter Vogel nach Frankfurt (Oder), den er vor kurzem als Geschäftsführer der Kleist-Gesellschaft entlassen hatte. Wenn diesen noch Post für die Gesellschaft erreiche, möge er sie doch an Herrn Stadtkassendirektor Schiebel weiterleiten. Schließlich lag jetzt anderes in der Luft. Keine kleinlichen Streitereien, sondern wieder einmal eine vorhabende Tagung der Kleist-Gesellschaft: »Als ich vor einiger Zeit in Frankfurt das Letzte für die Tagung besprach, sagte ich: Diese Tagung wieder ausfallen zu lassen, kann mich nur ein Krieg zwingen! Und der Krieg ist gekommen!«
Welch ein unfreiwilliger Prophet, getreuer Schüler des Gefreiten und Reichskanzlers. Da hilft es gar nichts, anschließend noch ein bißchen herumzulavieren, daß der Krieg ja vielleicht nur »droht« oder es ratsam sei zu »warten, bis der Krieg abgeblasen ist oder, wenn es doch losgeht, etwa 3-4 Wochen vergehen zu lassen.« Letzteres nicht etwa, weil Minde-Pouet, die Einberufung »für Mittwoch zum Wehrdienst« schon in der Tasche, Weihnachten wieder zu Hause sein wollte aus Moskau oder so. Nein: »Bis dahin werden ja Anschriften nicht angegeben.«
Minde-Pouet war kein Prophet. Er kannte außer dem Weltkriegstermin auch die Ausführungsbestimmungen.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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