Tertium comparationis

Martin Walser 1998 in seiner Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels:
»Herrliche Aktionen bei Kleist, in denen das Gewissen als das schlechthin Persönliche geachtet, wenn nicht sogar gefeiert wird. Der Reitergeneral Prinz von Homburg hat sich in der Schlacht befehlswidrig verhalten, der Kurfürst verurteilt ihn zum Tode, dann, plötzlich: ›Er ist begnadigt!‹ Natalie kann es kaum glauben: ›Ihm soll vergeben sein? Er stirbt jetzt nicht?‹ fragt sie. Und der Kurfürst: ›Die höchste Achtung, wie Dir wohl bekannt / Trag ich im Innersten für sein Gefühl / Wenn er den Spruch für ungerecht kann halten / Kassier’ ich die Artikel; er ist frei!‹
Also, es wird ganz vom Gefühl des Verurteilten abhängig gemacht, ob das Todesurteil vollzogen wird. Wenn der Verurteilte das Urteil für ungerecht halten kann, ist er frei.
Das ist Gewissensfreiheit, die ich meine.« (auch hier: http://www.guenther-emig.de/hvk/index.php/de/lebensspuren-nachruhm/120-1998-martin-walser-ueber-qprinz-friedrich-von-homburgq)

Demnach braucht der Prinz den Vergleich mit einem früheren Bundeskanzler – resp. dieser den Vergleich mit jenem – nicht zu scheuen, meint ein Kommentator in Jungle World:
»[…] berief sich Martin Walser auf Kleists Preußendrama ›Der Prinz von Homburg‹. […] Der Prinz von Homburg wird zum Tod verurteilt, weil er im Krieg etwas tut, was nicht schon vorher im Plan gestanden hat. Aber er lernt dazu. Er ist Schröder vergleichbar, der Kanzler wurde, weil er plakatierte ›Wir haben verstanden‹.«

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.