The she-bear was not realistic

Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach ihrer Gründung druckt die New York Times den Namen Heinrich von Kleist erstmals in der Ausgabe vom 8. Dezember 1891. New York hatte zu dieser Zeit bereits mehr als 2,5 Mio. Einwohner. Die Lower Eastside war zu ›Little Germany‹ oder ›Dutchtown‹ geworden, und das dortige ›Bowery Theatre‹, vormals die Bühne eines hauptsächlich aus Irland stammenden Publikums, hatte seit seiner Umbenennung in ›Thalia Theatre‹ Ende der 70er Jahre und unter neuer Direktion überwiegend deutschsprachige Inszenierungen auf dem Spielplan.
Als Sensation durfte gelten, daß es dem ›Thalia‹ gelang, die berühmten ›Meininger‹ im Dezember 1891 zu einem Gastspiel ins Haus zu holen. Gegeben wurde Die Herrmannschlacht, mit Hilmar Knorr (1847-1919) in der Titelrolle, Anna Haverland (1854-1908) als Thusnelda und Gustav Kober (1849-1920) als Varus. Die Aufführung entsprach, wie wir dem Bericht in der NYT entnehmen, nicht ganz den Erwartungen des Kritikers: »[…] none of them was so natural and effective as the thunder and lightning which accompanied the Hermanns-Schlact in the Teutoburger Wald.«
Unbemerkt blieb indes (auch von dem Kritiker der NYT), daß es weder das Ensemble noch eine Produktion der Meininger war, was in New York über die Bretter ging – das Meininger Theater hatte im Sommer 1890 nach einem letzten Gastspiel (in Odessa mit Shakespeares Was ihr wollt) seine Reisetätigkeit für immer beendet.
Im übrigen ist, wie John Hanners ausführt, die USA-Tournee (167 Aufführungen von vier Stücken in neun Städten) der unter falscher Flagge segelnden Truppe nichts weniger als ein einziges komisches Fiasko gewesen: »The tour smacks more of the Marx Brothers than the legendary Meininger.«

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Ein Kommentar zu The she-bear was not realistic

  1. hk sagt:

    Stimming’s Inn übertrifft sich. Man fragt sich, warum nicht längst alle nativen Kleistianer Abonnenten sind. Kostet schließlich nichts.
    Wie das geht? Rechte Spalte, runter bis »Meta«, »Artikel-Feed (RSS)« beklicken und den Anweisungen folgen. Wenn’s nicht klappt, Emig fragen .
    Und weil Reklame in eigener Sache nie schadet: Der reine Aufführungstermin der New Yorker Vorstellung ist auch enthalten in unserer Datenbank Heinrich von Kleist auf dem Theater, zusammen mit einigen tausend weiteren Terminen ab 1804.
    Damit: Ende der Schulterklopferei.

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