Theaterleute unter sich

Esther Slevogt in ihrer nachtkritik.de-Kolumne Aus dem bürgerlichen Heldenleben:
»Dann zwei, drei Jahre später der Schock, der zunächst noch wie das Glück ausgesehen hatte: weil ich in die Statisterie des Schauspielhauses aufgenommen worden war. In einem Bühnenbild von Erich Wonder sollte ich einen Stein darstellen, jawohl, einen Stein. Kaum hatte ich zur ersten Probe die Stätte meiner Sehnsucht erreicht, musste ich unter eine Decke kriechen und dort gefühlte Ewigkeiten zusammengerollt verharren. Unter dieser Decke aber wurde vielleicht die Kritikerin geboren.
Denn ich sah zwar nichts, hörte aber die Theaterleute sprechen. Und zwar nicht nur die Texte von Kleist, dessen ›Käthchen von Heilbronn‹ hier inszeniert wurde, sondern immer wieder auch Reden der Theaterleute über die Zuschauer. Insbesondere die Abonnenten schienen als besonders lächerliche Gestalten zu gelten. Als Leute, die vom Theater am allerwenigsten verstanden. Dabei verehrten sie das Theater doch so.« (nachtkritik.de / 24. Februar 2015)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.