Tour de Pharmacie

»Unternimmt man«, schreibt Robert Walser, »eine Reise von Toledo nach Pontarlier, wandert man von da nach Bayreuth, und beendet man die literarische Wanderschaft in Petrograd, so ist man zweifellos den Spuren der großen Romane und Romandichter nachgegangen.« (Stendhal, 1925) – Die heute prologisch startende ›Tour‹ nimmt naturgemäß andere Wege, wiewohl sie Pontarlier am 9. Juli beim Einzelzeitfahren von Arc-et-Senans nach Besançon doch ziemlich nahekommt.
Pontarlier? Gelegen in der Franche-Comté, Hauptstadt des Absinth, möglicherweise oder tatsächlich Vorbild für Julien Sorels Verrières und ein lohnender Ausgangspunkt für stramme Radler, wie ›Die Welt‹ zu berichten weiß: »Nicht weit von hier und per Mountainbike nach einem deftigen Schlussanstieg erreichbar liegt das im 11. Jahrhundert erbaute Château de Joux, eine Trutzburg, die einst über die Handelsstraße Dijon-Lausanne wachte. Das Schloss war ein berüchtigtes Gefängnis, in dem unter anderem der haitianische Revolutionsheld François-Dominique Toussaint L’Ouverture nach seiner Deportation durch die französische Armee unter so üblen Bedingungen gefangen gehalten wurde, dass er im April 1803 dort in seiner Zelle starb.«
In Pontarlier gibt es seit 1972 das berufsbildende ›Lycée Toussaint Louverture‹; Balzac hat damit renommiert, die Stelle zu kennen, wo der Schatz Toussaint Louvertures verborgen liege. Und das Château de Joux sowie dessen einbeinigen Kommandanten Nicolas Sigisbert (ohne »de«) Bureau (27.5.1767-10.2.1814) kennen alle Kleistinteressierten ohnedies, vielleicht auch aus dem wunderschönen Buch Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit von Tanja Langer und/oder Robert Löhrs Roman Das Hamlet-Komplott.

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