Trostpflästerchen

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Eine Sommerfahrt nach Düben für die Mitglieder der Kleist-Gesellschaft versprach Minde-Pouet dem Bürgermeister der im Michael Kohlhaas erwähnten Stadt am 9. September 1937 als Trostpflästerchen auf dessen Einladung hin. Die Gesellschaft habe nämlich »für die Jahre 1938 bis 1940 […] bereits Weimar, Würzburg und Köln« als Tagungsorte »in Aussicht genommen«. Der Bürgermeister (Name unleserlich) zeigte sich in seiner Antwort denn auch nicht gekränkt und bestätigte Minde-Pouet brav, daß »die Herren von Zaschwitz um 1442-1671 auf [Schloß] Schnaditz« gesessen hätten: »Einige unleserliche Grabsteine des Geschlechts befinden sich in der Dorfkirche.« (20. September 1937). Schon im Februar 1937 hatte Minde-Pouet an die Mittelbadische Gruppe der Deutschen Akademie geschrieben, daß Tagungs-Einladungen »stets ohne unser Zutun von den Städten an uns ergangen [seien], und wir haben sie aus Gründen der Propaganda nicht ablehnen wollen.«
Bleibt nachzutragen, daß die Kleist-Gesellschaft 1937 in Frankfurt (Oder) und dann noch einmal 1943 in Weimar getagt hat. Ab 1938 kamen ihr der ›Anschluß‹ Österreichs, die Besetzung der Tschechoslowakei, der Zweite Weltkrieg und andere politische Anlässe dazwischen, mit denen sie, einmal von der Propaganda der NSDAP abhängig, nicht konkurrieren konnte. Ob eine Sommerfahrt nach Düben stattgefunden hat, weiß ich nicht.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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