Um sechs Uhr nach dem Krieg

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Manchmal konnte Minde-Pouet auch anders. Wenige Monate nach einer offenbar knappen Bestätigung als Vorsitzender der Kleist-Gesellschaft – »Ich [= MP] habe […] ein Mitglied gewonnen, das Wiederwahl des jetzigen Vorsitzenden, also meine Wiederwahl, beantragen wird«; so an Otto Kretschmann, den Frankfurter Stadtschulrat, am 18. November 1941 –, wenig später also macht er sich vor demselben Adressaten so seine Gedanken: »Sie [= Kretschmann] denken an einen neuen Impuls [für die Kleist-Gesellschaft, MM] ›nach dem Kriege‹. Wenn ich Sie fragen würde, an welche Zeit Sie dabei denken, würden Sie sicher ebenso verlegen sein, wie ich es sein würde, wenn man diese Frage an mich richtete!« (9. März 1942)
Ungewohnte Töne, beinahe schon Defaitismus?
Im selben Brief verspricht sich MP mehr Freizeit für die Kleist-Gesellschaft von der »vom A[llgemeinen] O[ber]K[ommando] mir eröffnete[n] Aussicht auf Entlassung aus dem Heeresdienste […], den ich nun volle 2 1/2 Jahre freiwillig geleistet habe«. Welches Material für die Geschichte des Krieges er in diesem Dienst angeblich sammeln sollte und was daraus wurde, ist übrigens ungeklärt. Aber was im Krieg so geschah, ahnte er durchaus. Der Briefwechsel mit dem Hannoveraner Staatsanwalt Max Döring vom Mai 1942, in dem er sich nach dem Kriegstod von dessen Sohn erkundigt, kann das belegen.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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