Unaufgefordert

** Von Bonaventura **
Der US-amerikanische Historiker und Verfasser populärer Geschichtsbücher Adam Zamoyski hat unter anderem zwei Bücher geschrieben, die sich mit den letzten Jahren der Napoleonischen Herrschaft über Europa befassen und die der Verlag C. H. Beck geschickterweise pünktlich zu den entsprechenden runden Jubiläen unter den Titeln 1812 und 1815 hat erscheinen lassen. Zamoyski neigt zu deutlichen, pauschalisierenden Urteilen auch dort, wo er sich der Komplexität der Sache bewußt ist, was statt zu einer Darstellung des Chaos eher zu einer chaotischen Darstellung führt. Das alles täte hier nichts zur Sache, wenn es bei der Darstellung der Organisation antinapoleonischen Widerstands nicht zu folgender hübscher Passage geführt hätte: »Schriftsteller gleich welcher politischen Orientierung wurden in die Polizeidirektionen geladen, wo man sie aufforderte, ihre Kunst in den Dienst der nationalen Sache zu stellen, und Herausgeber von Zeitschriften wies man an, Gedichte und Artikel patriotischen Inhalts zu veröffentlichen – unter der Androhung, anderenfalls ihre Blätter zu schließen. Heinrich von Kleist schrieb unaufgefordert seine ›Hermannsschlacht‹, einen poetischen Appell an Deutsche und Österreicher, sich gegen die Franzosen zu erheben und alle pro-napoleonischen ›Verräter‹ zu bestrafen.«
(Adam Zamoyski: 1812. Napoleons Feldzug in Russland. Aus dem Englischen
von Ruth Keen und Erhard Stölting. München: C. H. Beck 2012, S. 70)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.