Unbeeinflußtes Urteil

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Georg Minde-Pouet sammelte, wo er konnte. So auch bei Richard Friedel, dem damaligen Intendanten des Landestheaters Moselland in Koblenz. Offenbar antwortete dieser nur zögernd auf eine Anfrage nach dem anscheinend viel besprochenen »Michael Kohlhaas. Schauspiel in 3 Abteilungen nach Heinrich von Kleist« eines gewissen Wolfgang Friedebach. Minde-Pouet werde das aber »verstehen und entschuldigen«, so Friedel am 7. Februar 1943, weil »ich [Friedel] das Werk selbst schrieb, es persönlich inscenierte und die Titelrolle spielte.« Er habe »den Weg des Pseudonyms gewählt«, da er »hier ziemlich bekannt« sei und ihm »an einem unbeeinflussten Urteil lag«.
Das hatte er nach dem Aufführungserfolg allerdings parat: »Meine uneingeschränkte Ehrerbietung und Liebe zu Kleist […] hat es hoffentlich auch in Ihren Augen bewirkt, dass ich dem grössten deutschen dramatischen Meister keine Unehre machte – Vergebung, das ist falsch ausgedrückt […] – dass ich sein Werk nicht verfälschte.«
Aus Minde-Pouets Antwort geht nicht hervor, was die »uneingeschränkte Ehrerbietung« in seinen Augen bewirkt hat. Er hat sie nämlich noch geschont und kündigt eine Lektüre des Manuskripts am 14. Februar 1943 erst für später an. Vorsorglich bemerkt er aber, daß »Kleist ganz genau gewusst hat, welcher Stoff ein Drama und welcher Stoff eine Erzählung verlangt. Deshalb sind auch die meisten Versuche, gerade den ›Kohlhaas‹ zu einem Drama umzugestalten, missglückt.«
Wo er recht hat, hat er recht.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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