Unglaublich sophistisirend

Caroline Pichler über eine Stelle in Rahel Levins Brief an Alexander von der Marwitz (Berlin, 23. November 1811), gelesen in Varnhagens Ausgabe Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde (Teil 1. Berlin 1834, S. 576f.):

»Seite 577 spricht sie dem Selbstmorde bey Gelegenheit des Kleistischen Wechselmordes, der wahrlich nur als eine bedauernswerthe Verirrung krankhaft überreitzter Geister entschuldigt werden kann, das Wort; indem sie unglaublich sophistisirend sagt: ›Unglück jeder Art dürfte mich berühren, einem elenden Fieber, jedem Klotz, jedem Dachstein, jeder Ungeschicklichkeit sollte es erlaubt seyn‹ (nämlich mir das Leben zu nehmen), ›nur mir nicht?‹ Billig sollte wohl jedes wahrhaft religiöse Gemüth, von welchem Glauben es sey, auch hier ausrufen: Fürchterliche Moral!« (Zeitbilder. Von Caroline Pichler, gebornen von Greiner. Wien: Anton Pichler’s sel. Witwe, 1839, S. 230f. [= Sämmtliche Werke. Bd. 51] – Mit freundlichem Dank an Klaus Krämer, Kriftel!).

Im Varnhagenschen Buch des Andenkens – mit falschem Datum »23. December 1811« – heißt es: »Unglück aller Art dürfte mich berühren? Jedem elenden Fieber, jedem Klotz, jedem Dachstein, jeder Ungeschicklichkeit sollte es erlaubt sein, nur mir nicht?« – Eine längere Passage des Briefes im Nachruhm als Nr. 51; vollständig ediert ist der Brief im zweiten Band von Barbara Hahns wunderbarer sechsbändigen Ausgabe des ›Andenken‹-Buchs (Göttingen: Wallstein, 2011. S. 309-316).

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