Unter Kalmücken, 1914

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Ernst Glaesers Roman Jahrgang 1902, 1928 zuerst erschienen, war ein Bestseller der Zwischenkriegszeit. Ein Nachdruck der ›Non Stop-Bücherei‹, Berlin-Grunewald, ca. Mitte der 1950er Jahre, wirbt mit Lobsprüchen von Hemingway und Remarque. Zur Formel des Erfolges mag gehören, wie hier vor dem Hintergrund einer exemplarischen Lebensgeschichte der Topos der im Ersten Weltkrieg geopferten Jugend bedient wird.
Am Abend der Kriegserklärung Englands an das Deutsche Reich (4. August 1914) läßt Glaeser auf einer Schulfeier in der noch sehr ländlich wirkenden Heimatstadt des Erzählers Germania an ihre Kinder rezitieren. Der Vortragende wird nur der »Kalmück« genannt, ist der Sohn eines Metzgers und lebt an den Schulkameraden des Erzählers sadistische und pädophile Neigungen aus: »Mit Wollust bohrte sich seine Stimme in den Vers: ›Schlagt sie tot! Das Weltgericht fragt euch nach den Gründen nicht…‹«. Die Zitatgenauigkeit einmal dahingestellt: Hätte diese Figur 1928 nicht auch prophetisch wirken können?
(Quelle: Ernst Glaeser: Jahrgang 1902. Berlin-Grunewald: Nonstop-Bücherei o.J., S. 144)

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