Wackelige Karriereleiter

Um den spärlichen Zeugnissen, die wir über Kleists Vater besitzen (cf. Stimming’s Inn vom 24.4.2014), gleichwohl ein wenig Farbe beizumischen, zitieren neuere Kleist-Biographen, sofern aus den Quellen arbeitend, gelegentlich eine Mitteilung der Sammlung Bruchstücke aus den hinterlassenen Papieren des Königl. Preuß. General-Feldmarschalls Carl Friedrich von dem Knesebeck, als ein Andenken an den Verstorbenen für die Familienmitglieder und Freunde. (Zusammengestellt von A. v. d. K. [Alfred von dem Knesebeck]. Magdeburg 1850, S. 17f.). Man liest sie auch im ersten Band der durchaus unterhaltlichen, weil nicht völlig klatschfrei geschriebenen »Historisch-romantische[n] Zeitgeschichte Friedrich Wilhelm’s IV.«, im Haupttitel: Pole, Jude und Franzose oder: Die Königsfeinde. Originel[!] verfaßt von Ernst Pitawall [d.i. Eugen Hermann von Dedenroth]. Berlin: Möser & Scherl, [1861], S. 95:

»Der König, erzählt Knesebeck in seinen Memoiren,*) [*) »Soldatenfreund, 22. Jahrg. IV.« (i.e. Der Soldaten-Freund. Zeitschrift für faßliche Belehrung des Preußischen Soldaten. 1854/55, Heft 4] ließ eines Tages bei der Parole befehlen: ›Die Majors von Pirch, vom Regiment Prinz Ferdinand, und von Kleist, vom Regiment von Diringshofen, avanciren nicht zu Oberst-Lieutenants, weil sie sich nicht auf den Dienst appliciren.‹ Pirch, ein sehr lebhafter, durch vielfache Beweise ausgezeichneter Tapferkeit bekannter Mann, ist zufällig du jour und muß also diesen Parolebefehl selbst im Kreise dictiren. Er that’s mit lauter Stimme, drehte sich auf dem Absatz, den Kreis verlassend, und die Worte fuhren ihm aus dem Mund: ›Das kann der König sagen – wenn es aber ein Anderer denkt, ist er ein H……t!‹ geht sogleich nach Hause und fordert seinen Abschied. – Kleist, der Vater des Dichters Heinrich von Kleist, Verfassers des ›Käthchens von Heilbronn‹, schrieb folgenden Brief an den König:
›Ew. Majestät sind Herr über mein Leben, aber nicht über meine Ehre; ersteres habe ich nicht verwirkt, letztere ist gekränkt. Ich ersuche daher Ew. Majestät allerunterthänigst um meinen Abschied, empfehle der Vorsehung (er hatte kein Vermögen) mich und die Meinigen und ersterbe usw.‹
Der König verweigerte Beiden die Entlassung, Kleist wurde Oberst-Lieutenant, aber Pirch bestand auf seinem Gesuch und ging nach Pommern.«

Welcher der vielen preußischen Militärs namens Pirch mag es wohl gewesen sein? Ich vermute, es war Carl Siegmund von Pirch (1729-1788), lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

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