Wert & Wirkung

»Ich erinnere hier an Heinrich von Kleist. Er hat uns eine Reihe von dramatischen Dichtungen gegeben, die in ihrer Art einzig sind, und die allerdings meine früher ausgesprochene Behauptung schwankend machen könnten, weil das Wirken eines selbstständigen Geistes, der sich frei und lebendig in einer, ihm von der Natur selbst angewiesenen Sphäre bewegt, nicht zu verkennen ist. Aber fragen wir nach dem Erfolg, so haben wir diese unsere Behauptung auch wieder gerechtfertigt, und um so entschiedener, je greller der Gegensatz zwischen dem Werth dieser Dichtungen und zwischen der Wirkung ist, die sie von der Bühne herab auf das Publicum machten. Der Prinz von Homburg hat nur theilweise befriedigt; auf mehreren und bedeutenden Theatern ist das Werk spurlos vorübergegangen; der zerbrochene Krug ist von den Repertoirs verschwunden; Käthchen und die Schroffensteiner mußten erst gehörig zerstückt und appretirt werden, und ihren innern Werth verlieren, um einen äußern zwischen den Coulissen zu erhalten. Dadurch aber haben sie ihren eigenthümlichen Zweck nicht erreicht; denn nimmermehr kann ich mit Jenen übereinstimmen, die da meinen, ein echt dramatisches Werk müsse im Lesen den Eindruck hervorbringen, den es auf den Bretern hervorbringen sollte. Dies widerspricht der Natur der Sache, und derlei Vorlesungen, selbst die gelungensten ermüden mehr, als sie erregen, ja, sie fallen oft genug sogar lächerlich aus, wie ernsthaft es auch die Zuhörer nehmen mögen.« (Ludwig Halirsch: Dramaturgische Skizzen. Bd. 2. Leipzig: Focke 1829, S. 178-180)

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